Ende März 2009
Starttermin für eine außergewöhnliche Reise. Ausgangspunkt ist die Westküste Südamerikas auf dem 42.Breitengrad - Chile – auf der Insel Chiloe. Wir starten dort mit unseren Rädern zu einem Abenteuer quer durch den Kontinent von Küste zu Küste vom Pazifik zum Atlantik.
Coast to Coast with Friends war unser Motto.
1.Tag 28.03.2009
Wir sind in Santiago de Chile gelandet. Wir begeben uns auf den Weiterflug nach Puerto Montt.
Dort wartet unser Freund Uwe Nobis, ein Oberstdorfer.
[Email Uwe Nobis] Er hat uns im Vorfeld die Tour organisiert.
24 Stunden sind wir bereits unterwegs mit Bahn und Flugzeug und reichlich bedient. Jetzt geht es auf die Fähre und wir setzen über auf die Insel Chiloe. Ancud ist ein größerer Hafen in sehr schöner Lage. Wir werden im Hotel Ancud einquartiert. Jetzt werden noch die Räder klargemacht und morgen soll´s losgehen.
Die ganze Nacht stürmt und regnet es... schöne Aussichten!
2.Tag 29.03.2009
Nach dem Frühstück fahren wir los, von Fischerdorf zu Fischerdorf nach Achao. Chiloe mit ihren vierzig Inselchen rundherum erweist sich als wunderschöner Flecken. Die Hauptstrasse ist breit, hügelig und schurgerade. Der Verkehr ist gering. Die Fahrstrecke beinhaltet 1400 Höhenmeter über 93 Kilometer.
Kurz vor unserem Etappenziel Achao erfährt Uwe, daß unser Begleit-Jeep nicht übersetzen darf. Das Militär hat aufgrund eines Vulkanausbruches alle Häfen gesperrt.
Nun muss unser Fahrer über Argentinien einen Umweg von 900 km fahren, um uns wieder zu erreichen.
Uwe organisiert dies alles während des Radeln´s mit dem Handy.
[ Tagespensum: 93 km und 1400 Hm ]
3.Tag 30.03.2009
Wir wollen heute mit einem Fischerboot die militärische Sperrzone durchbrechen und ca. zwölf Kilometer vor dem verwüsteten Hafen Chaiten anlanden. Die Spannung, ob alles funktionieren wird, ist bei allen groß.
Chaiten ist im vergangenen Jahr durch einen Vulkanausbruch des gleichnamigen Chaiten verschüttet worden. Die gesamte Bevölkerung ( 3000 Leute) wurde zwangsevakuiert, will sich aber nicht damit abfinden. Darum die Sperre durch das Militär.
Sechs Uhr aufstehen, 7 Uhr Frühstück. Die Fischer haben bereits unsere Räder noch im Dunkeln auf das Boot verladen. Wir müssen uns beeilen , wegen der Küstenwache. Angeblich beginnt deren Dienst um 8 Uhr und wir fahren nach St.Barbara, was nicht erlaubt ist. St. Barbara ist eine traumhafte Bucht und liegt am chilenischen Festland ca 10 km vor Chaiten. Dort soll übrigens, laut chilenischer Regierung, das neue Chaiten entstehen.
Die Überfahrt dauert 6 Stunden, die See ist ruhig und wir kommen gut voran. Zweimal müssen wir blitzschnell unter Deck. Einmal überfliegt uns ein Armee-Hubschrauber, das andere Mal glaubt unser Kapitän, daß wir von Land aus beobachtet werden.
Die Landung ist filmreif. Der Kapitän drängt das Boot bei Ebbe in einen schmalen Zulauf und wir können aussteigen und entladen. Ehe wir uns umsehen, ist das Boot auch schon wieder verschwunden.
Unser Fahrer, der die ganze Nacht durchgefahren ist, erwartet uns schon.
Nun geht es gleich auf eine Schotterpiste. Kaum sind wir unterwegs, werden wir von einer Polizei-Patrolie angehalten. Uwe holt uns aus der Patsche mit der Behauptung, wir seien per Rad und nicht mit dem Schiff gekommen. Nach 15 km erreichen wir die völlig zerstörte Kleinstadt Chaiten.
Der Vulkan Chaiten hat die gleichnamige Stadt mit einer meterhohen Asche und Schlickschicht zugedeckt. Einige Bewohner haben trotz Verbot die Stadt, die ohne Strom und Wasser ist, nicht verlassen. Der Anblick ist depremierend.
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Nachdenklich und doch etwas geschockt fahren wir 30 km weiter auf Asphalt und 25 km auf Schotter Richtung Michimahuida zum See Yelcho.
Wir erreichen unsere schöne Unterkunft am See um 18 Uhr und baden heiß, denn wir sind durchgefroren.
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>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>[ Tagespensum: 66 km und 520 Hm]
4.Tag 31.03.2009
Heute wird es etwas heftiger, 70 km und 1200 Hm sind angesagt. Das Wetter sieht um 7.00 Uhr morgens super aus. Genau so ist es. Vom Lago Yelcho aus geht es 620 Hm durch eine Traumlandschaft. Eine Schotterstrasse ( Carretera Austral ) ist hier rund 400 km die einzige Verbindung für das ganze Gebiet. Links und rechts Regenwald und Berge mit tiefhängenden Gletschern. Einfach ein Traum hier zu radeln, so gut wie kein Verkehr. Nach 50 km machen wir am Ende des Yelcho-See´s Mittagspause. Puerto Plaches ist ein kleiner
Ort mit ein paar Häusern und Gehöften. Mama hat aufgekocht und es gibt eine herrliche Suppe mit Hühnerkeulen. Nun sind es noch 20 km bis Azul unser Tagesziel. Wir verlassen die Carretera Austral Richtung Futaleufu und in seinem Tal weiter hinein in die Cordillera de los Andes.
In der Indianischen Mapuchesprache heißt Futaleufu "großer Fluss". Und das ist er auch. Es soll einer der besten Wildwasser der Welt sein. Das werden wir morgen früh ausprobieren.
Übernachtet wird urig bei einem Bauern in rustikalen Holzhütten, die stilvoll eingerichtet sind. Als wir ankommen, hängt bereits ein frisch geschlachtetes Lamm am Spieß. Asado nennt sich die köstliche Mahlzeit. Am Abend draußen am Lagerfeuer gibt es dann Lamm mit Rotwein und Brot.
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>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>[ Tagespensum: 70 km und 1200 Hm ]
5.Tag 01.04.2009
Der Tag beginnt mit strömenden Regen und einem sensationellen Rafting. Mit zwei Booten und drei Begleitbooten meistern wir die Riesenwellen des Futaleufu. Im Februar fand an dieser Stelle das Futu Festival 2009 statt.
Leider hört der Regen nicht auf und wir müssen weiter, jetzt wieder auf den Bikes, 35 km nach Futaleufu-Ort. Strömender Regen, kalt und schwere Schotterpiste sind nun kein Vergnügen, obwohl die Landschaft entlang des Flusses beeindruckend ist.
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>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>[ Tagespensum: 35 km und 625 Hm ]
6.Tag 02.04.2009
Der Tag beginnt trist. Tiefhängende Wolken, Regen und etwas höher Schnee. Wir gehen etwas niedergeschlagen zum Frühstück und malen uns die kommenden 56 km Schotterpiste im Schneeregen aus.
Doch als wir losradeln, lässt der Regen etwas nach und wir rollen etwa 10 km auf Teerstrasse der argentinischen Grenze entgegen. Rings um uns schneebedeckte Berge und tief hängende Wolken. Plötzlich spitzt die Sonne durch und kleidet die Landschaft in ein wunderschönes farbiges Kleid. Die chilenischen Grenzer sind freundlich und stempeln unsere Pässe zügig ab. Auf argentinischer Seite dauert das Ganze etwas länger. Gut, dass Uwe und Willi unser Fahrer dabei sind, umzu erklären, warum wir mit dem Auto zweimal
die Grenze gewechselt haben.
Nach einer halben Stunde stehen im engen heißen Grenzhäuschen sind wir durch. Das Auto wurde inzwischen nach Drogen durchsucht.
Auf den letzten 10 Kilometern hat sich die Landschaft schlagartig geändert. Der Regenwald ist verschwunden und Tannen und Lärchen bewachsen die Hänge. Große Viehweiden charakterisieren die Gegend. Bei dem Anblick der Rinder, freuen wir uns bereits auf ein saftiges argentinisches Staek in Trevelin.
Leider hat das Steakhouse zu und mit dem Ersatz-Restaurant sind wir nicht ganz zufrieden. Aber was soll`s. Umso schöner ist unsere Unterkunft.
Wir bereiten uns seelisch und moralisch auf den morgigen Tag vor. Der wird sehr hart.
Die Gegend um Trevelin ist 1865 von keltischen Rifleros aus Wales besiedelt worden. Sehr arbeitsame und stolze Menschen. So entstand mit rund fünfzig Familien die erste Kolonie in Patagonien.
[ Tagespensum: 56 km und 450 Hm ]
7.Tag 03.04.2009
Die Nacht über regnet es in Strömen. Uns schwant nichts Gutes. Wir stehen bereits um 6 Uhr auf, um früh wegzukommen. Das Thermometer auf unserem Radcomputer zeigt gerademal 1 Grad plus an und uns erwartet ein sehr anstrengender Tag mit 75 km Schotterpiste und vielen Höhenmetern. Uwe spricht von der Königsetappe, 7 Stunden später wissen wir warum.
Wir starten um8 Uhr und der Regen lässt bald nach. Schneebedeckt die Berge rundrum und es ist kalt. Wir gehen davon aus, daß wir in die Schneegrenze fahren und ziehen uns warm an. Doch nach kurzer Fahrzeit hört es komplett zu regnen auf und ab uns zu kommt die Sonne heraus. Wir sind jetzt auf 1000 Meter und die Umgebung ist traumhaft schön. Riesige Hochtäler wechseln sich mit endlosen Weiten ab. Dazwischen immer wieder saftige Anstiege und keineswegs entspannende Abfahrten. Greifvögel in rauen Mengen und wunderschöne
Condore schweben schwerelos über uns.
Nach 75 anstrengenden Schotterkilometern erreichen wir die Teerstrasse nach Tecka unser Zielort. Dort erwartet uns Hektor und Gustavo mit ihrem Uralt-Wohnmobil. Sie begleiten uns für die restliche Fahrt nach Osten. Willi fährt mit seinem Landrover zurück. Die restlichen 35 km auf Teer fliegen wir mit Rückenwind. Untergebracht sind wir in einem Internat. Die Lehrkräfte sind extrem freudlich und wir können in der Krankenstation der Schule schlafen.
[ Tagespensum 110 km, 1050 Hm in 7 Stunden Fahrzeit ]
8.Tag 04.04.2009
Wecken 6.45, Frühstück 7.30- Unser Zimmer ist sehr pünktlich ( Traudl,Rudi, Gudrun und Jürgen). Das andere Zimmer hat verschlafen. Wir kommen kurz nach 8 Uhr los. 165 km und 1100 Hm sind angesagt. Das Wetter ist passabel, wir radeln durch eine steppenartige Gegend.
Weite nichts als Weite und Rückenwind zum Glück. Wir sausen zum Ziel nach Paso de Indio. Hektor organisiert das Abendessen. Es soll Lamm und Ziege geben. Wir übernachten wieder in einer Schule und sind diesmal alle in einem Raum untergebracht. Aber wir können duschen und eine Toilette gibt es auch.
Hektor hat ein tolles Essen organisiert, Rotwein und Bier runden das „große Fressen“ ab.
[ Tagespensum: 166 km, 1050 Hm in 6 Stunden Fahrzeit ]
9.Tag 05.04.2009
Wolkenloser Himmel und Sturm mit Windstärke 6 schieben uns nach Los Altares. Der Rückenwind ist so stark, daß wir in leichten Abfahrten auf Tempo 87 kmh beschleunigen. Das wie Radfahren mit Hilfsmotor. Der Schnitt für die Strecke über 65 km liegt bei 35 kmh.
Die Landschaft entlang des Rio Chubut ist grandios. Wir fühlen uns in Westernfilme zurückversetzt. Das Sandgestein wurde in Urzeiten von Wasser und Wind ausgewaschen und wilde Formationen blieben zurück. Angekommen in Los Altares erwartet uns ein nettes Hotel.
Heute nachmittag wollen wir die Gegend erkunden. Aufgrund des Windes, der sich zum Sturm entwickelt, bleiben wir dann doch in unserer Unterkunft.
[ Tagespensum: 65 km, Schnitt 35 kmh ]
10.Tag 06.04.2009
In der Nacht legt sich der Wind und Wolken ziehen auf. Wir haben uns entschieden, zwei Tagesetappen an einem Tag zu fahren. Damit stehen jetzt 195 km auf dem Programm. Bis zur Mittagspause fahren wir durch riesige Felsformationen, die vor Jahrtausenden der Fluß Chubut in den Stein gefressen hat. Nach 102 km machen wir Pause in Pluma. Der Ort ist ein schäbiges Nest am Chubut. Hier war ursprünglich ein Zeltlager vorgesehen. Wir fahren schnell weiter. Nach einem kleinen Pass erreichen wir die Hochebene. Pampa so
weit das Auge reicht.
Bei km 150 beginnt es zu regnen. Noch ca. 40 km bis zum Abzweig nach Dique Florentino Ameghino. Es geht 4 km in eine Schlucht hinunter. Dort stehen wir vor einer riesigen Staumauer. Der Rio Chubut wurde auf eine Länge von 70 km aufgestaut. Bei strömenden Regen sieht das kleine Dorf trostlos aus. Wir beziehen Zimmer in einer kleinen Hotelanlage und versuchen unsere Klamotten zu trocknen, was dann auch halbwegs gelingt. Wie jeden Abend ist das Essen hervorragend. Uwe hat in einem kleinen
Restaurant Essen bestellt und der Chef hat für uns gegrillt. Rind Lamm Würste.
[ Tagespensum: 195 km, Schnitt 28 kmh, 615 Hm ]
11.Tag 07.04.2009
Am nächsten Morgen ist das Wetter wolkenlos. Wir machen noch einige Sponsoren-Fotos. Der Staudamm und der See bilden die Kulisse. Das Land, das wir befahren ist öde, alles flach und nur Pampa. Nach 115 km erreichen wir unser Tages-Ziel. Der etwas größerer Ort mit seinen bekannten Teehäusern heißt Gaiman.
Wir sind kurz vor unserem Reise-Ziel und gönnen uns einige Biere und Pizza in verschiedenen Ausführungen. Die Bungalow-Anlage, in der wir untergebracht sind, hat einen großen Garten.
Hektor hat tagsüber trockenes Holz gesammelt. Es gibt Hähnchen mit ganz viel Gemüse und Kartoffel in einer großen Pfanne über dem Feuer zubereitet. Das Ganze bei Lagerfeuerromantik. Einfach genial.
[ Tagespensum: 115 km ]
12.Tag 08.04.2009
Der nächste Morgen beginnt mit einem guten Frühstück ganz relaxt. Wir haben nur noch etwa 60 km vor uns. Nach 15 km besichtigen wir in Trelew, der Provinzhauptstadt von Chubut, ein Museum mit seinen berühmten Saurier-Ausgrabungen.
Weiter geht es dem Atlantik entgegen. Man riecht schon die Meerluft. Über Rawson nach Playa Union kommen wir ans Meer. Vor uns liegt er, rau und stürmisch, der Atlanische Ozean.
Es ist geschafft und wir schreien unser Glück heraus und rennen mit unseren Rädern ans Meer. Einige unterschätzen die Wellen und stehen plötzlich mit ihren Rädern bis zur Hüfte im Wasser. Nun noch die wichtigen Beweisfotos.
Danach gehen wir in dem Fischerhafen und genießen frischen Fisch. Der eilig herbei gerufenen Presse gibt Uwe noch ein passendes Interview und siehe da , am nächsten Tag sind wir groß in der Zeitung.
Nun werden die Räder verstaut und wir fahren mit dem Bus ins 60 km entfernte Port Madryn.
Unser wunderschönes Hotel liegt direkt am Atlantik. Dort sitzen wir abends bei Fisch und Wein noch lange zusammen und erinnern uns mit Glück und Wehmut an diese Reise.
Den Abschluss der Tour bildet ein zweitägiger Aufenthalt in der Hauptstadt Argentiniens Buenos Aires. Höhepunkt dort ist eine Super-Tangoshow. Muß man gesehen haben.
Unsere Freude und Erleichterung über unser Leistung und unser Glück war groß.
1060 km, ca. 9000 Hm, ca. 50 Radstunden im Sattel. Nur ein Platten, keine Stürze und Krankheiten machten aus einer Idee ein Abenteuer, das man nicht vergisst!
Tourbeschreibung "Coast to Coast with friends" PDF

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